Noch ein Berliner, der keiner ist…

Die Stadt Berlin gleicht einem Wollpulli: bunt, mitunter etwas kratzig, an einigen Stellen abgewetzt, vielleicht ein paar Nummern zu groß aber urgemütlich. Kein Kleidungsstück, das passt, sondern eines in das man hineinwachsen muss und dann mit einer Selbstverständlichkeit trägt, die an Ignoranz zu grenzen scheint. Oder wie es Sozialarbeiterin Anneliese Bödecker unnachahmlich treffend formuliert hat: „Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht – aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können!“. Berlin muss man nicht nur sehen, sondern auch verstehen…

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Hut und Sonnenbrille

Eine Vielzahl von Gesichtern hat Berlin geprägt, am Stadtbild gewerkelt und auch am Selbstverständnis der Stadt; eine Bühne der Geschichte und Geschichten. Epochen, die die Stadt geprägt haben und umgedreht. Die Museenlandschaft der Stadt bietet unzählige Etappen für eine imaginäre Zeitreise. Eine besonders illustre Runde an Gesichtern und Geschichten ist erst kürzlich um ein Unikat erweitert worden: im Madame Tussauds gesellt sich seit Anfang des Monats ein Stück Musikgeschichte dazu. Großer Hut und eine noch größere Sonnenbrille seine Markenzeichen, dazu eine mitunter schnoddrig wirkende Art, die im Kern jedoch genau das Gegenteil ist. Die Rede ist von Udo Lindenberg. Der Musiker ist die nunmehr 100. Figur im Wachsfigurenkabinett in der Hauptstadt und die Einweihung seines Doppelgängers liegt zeitlich zwischen dessen 40-jährigen Bühnenjubiläum im nächsten Jahr und dem fünften Geburtstag des Madame Tussauds in Berlin.

Zwischen Politik und Kultur

Zwar ist Udo Lindenberg kein Berliner per se, jedoch hat ihn besonders sein politisches Engagement auf den Radar gespült. In Zeiten eines geteilten Deutschlands war es der Musiker, der um die Verständigung zwischen Ost- und Westdeutschland bemüht war und zusammen mit seinem Panik-Orchester seine Botschaft auch musikalisch in die Republik getragen hat. So sind viele Songtexte jener Zeit durchzogen mit Blicken über die Mauer, wobei einige Lieder über die Zeit Kultstatus erreicht haben.

Wollpullover | © STIMA - Fotolia.com

Wollpullover | © STIMA – Fotolia.com

Doch auch sonst ist der gebürtige Westfale ein politisch aktiver Mensch, als Unterstützer von Hilfsprojekten wie „Live Aid“ für Afrika oder als Gründer des Projektes „Rock gegen Rechte Gewalt“. Die Udo-Lindenberg-Stiftung mit kulturpolitisch Engagement und sowie als Unterstützung für humanitäre und soziale Projekte, Ausstellungen mit seinen Ausflügen in die Malerei und selbst schriftstellerische Aktivitäten gehören inzwischen zum illustren Lebenslauf des Rockmusikers, zu dem auch eine Reihe von Auszeichnungen gehören. Unzählige Würdigungen seines Lebenswerkes und selbst das Bundesverdienstkreuz für seine innerdeutschen Bemühungen dekorieren inzwischen sein Wirken. In Hamburg, wo der Sänger seine Heimat gefunden hat, ziert ein eigener Stern den „Walk of Fame“ auf der Reeperbahn. Doch auch die „Berliner Panikgemeinde“ hat ihre Rocklegende entsprechend gewürdigt. Legendär ist inzwischen auch dessen Bühnen-Outfit mit schwarzer Kluft und Nietengürtel. Doch irgendwo im Schrank schlummert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch ein unverkennbarer Wollpulli…

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