Lost Place – Fotos von verlassenen Orten

Schaurig schön oder historisch bedeutsam. Fotos von verlassenen Orten sind immer wieder ein echter Hingucker.

Die Lost Place Fotografie erfreut sich in den letzten Jahren einer wachsender Beliebtheit. Sie ist eng verwandt mit dem Hobby des sogenannten „Urbexen“ (steht für Urban Exploration = Erkundung von verlassenen Orten). Den Fotografen geht es in der Regel darum, vom Verfall bedrohte Gebäude fotografisch vor dem Verschwinden zu bewahren und Eindrücke von dem Leben zu dokumentieren, das sich dort einst abgespielt hat. Teilweise geschieht dies im reinen Reportagestil, teilweise wird das Hobby auch mit künstlerischem Anspruch betrieben.

Was sind Lost Places?

Lost Places sind in der Regel Orte oder Bauwerke, die nicht mehr in Benutzung sind. Manchmal handelt es sich um Gebäude, die lediglich leerstehen und später eventuell einer neuen Nutzung zugeführt werden sollen, meist jedoch um Gebäude, die einfach nur noch dem Verfall preisgegeben sind und völlig verwahrlost wirken. Im ersten Fall ist er eher daran interessiert, die Vergangenheit des Gebäudes zu erkunden, bevor die Spuren davon durch Renovierung zerstört werden. Im letzteren Fall geht es dem Fotografierenden darum, eine Erinnerung an das Gebäude zu schaffen.

Beliebte Lost Places sind zum Beispiel öffentliche Gebäude, wie Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungsämter. Aber auch ehemalige Wohnhäuser und Neubaublöcke werden gerne von Lost Place Fotografen aufgesucht. Ein besonders gern fotografiertes Sujet sind alte Industrieanlagen, Kraftwerke und Bahnhöfe. Hierbei spielt auch der Aspekt der De-Industrialisierung und der Wunsch einer Dokumentation unserer industriellen Vergangenheit eine Rolle.

Eine alte verlassene Kurklinik

Eine alte verlassene Kurklinik

Im Inneren der alten Gebäude finden sich zahlreiche Gelegenheiten, schaurig-schöne Motive mit der Kamera festzuhalten. Einfallendes Licht, Schatten und der eindringende Bewuchs mit Pflanzen machen es auch Hobbyfotografen leicht, viele tolle Fotos entstehen zu lassen.

Wie findet man Lost Places?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, verlassene Orte zu finden. Die klassische Herangehensweise ist, einfach durch die Gegend zu wandern oder zu fahren und dabei nach verlassenen Gebäuden Ausschau zu halten. Vor dem Aufkommen des Internets war dies im Grunde die einzige Möglichkeit. Dies hat sich allerdings inzwischen geändert, und das Internet mag, zusammen mit der Digitalfotografie, auch dafür verantwortlich sein, daß dieses Hobby seit einigen Jahren so stark an Bedeutung gewonnen hat.

Im Internet gibt es diverse Plattformen, auf denen Lost Place Fotografen sich austauschen können. Im Blog „Lost Place“ (unter www.lost-place.org) findet man zahlreiche schöne Fotos von verlassenen Orten und Hinweise zu spannenden Locations und zu benötigter Technik. Wer nach neuen Lost Place sucht, der sollte dort fündig werden.

Es gehört übrigens zum Ethos der Lost Place Fotografen, daß in den verlassenen Gebäuden nichts verändert oder entwendet werden darf, damit auch nachfolgende Besucher noch ihre Freude daran haben können.

Auch eine ungenutzte Eisenbahnbrücke ist ein Lost Place

Auch eine ungenutzte Eisenbahnbrücke ist ein Lost Place

Geeignete Kameratechnik

Für die Lost Place Fotografie eignet sich im Grunde jede Digitalkamera. Weitwinkelobjektive sind von Vorteil. Filmkameras können natürlich auch benutzt werden. Ein Stativ ist ein absolutes Muß. Nützlich ist ein Kabel- oder Drahtauslöser für Langzeitbelichtungen.
Aufgrund der meist schlechten Lichtverhältnisse ist der Foto-Ausschuß gerade bei Anfängern oft hoch, was bei einer Digitalkamera allerdings leicht zu verschmerzen ist.

Eine gute Taschenlampe und ein funktionierendes Handy mit vor dem Einstieg geprüftem ausreichenden Empfang sollten immer dabei sein. Es versteht sich von selbst, daß man beim Erkunden von verlassenen Gebäuden nicht unbedingt seine besten Sachen anziehen sollte.

Rechtliche Lage

Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Lost Place Fotografie oft um eine Grauzone. Das unbefugte Betreten von verlassenen Gebäuden ist nämlich durch den Besitzer oder Betreiber in der Regel untersagt. Im schlimmsten Falle kann es zu einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch kommen. Dies selbst dann der Fall, wenn die Tür des Lost Places sperrangelweit offen steht oder überhaupt keine Fenster mehr vorhanden sind.
Bei derartig verwahrlosten Gebäuden hat der Besitzer allerdings meist ohnehin kein Interesse mehr an dem Objekt. Wird man ertappt, sollte man freundlich bleiben und deutlich machen, daß man lediglich aus fotografischer Neugierde das Objekt erkunden wollte und keine bösen Absichten hegt.
Rechtlich gefährlicher wird es jedoch, wenn man eine Tür oder ein Fenster aufbrechen wollte, denn hier ist bereits der Tatbestand des Einbruchs erfüllt. Diese Praxis ist allerdings unter Lost Place Fotografen nicht gängig, da diese den Anspruch haben, die verlassenen Orte nicht zu beschädigen. Entwendet man Gegenstände aus den Gebäuden, so gilt dies rechtlich als Diebstahl, unter Umständen sogar als Einbruchdiebstahl.

Versicherungstechnische Aspekte sind bei der Erkundung von Lost Places auch von Bedeutung. In der Regel schließt der Besitzer nämlich auf entsprechenden Schildern Haftungsansprüche aus. Sollte man sich also im Gebäude eine Verletzung zuziehen, ist man selbst Schuld daran. Im schlimmsten Falle kann sogar die eigene Kranken- oder Unfallversicherung Zahlungen verweigern. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die betreffende Person im Lost Place verunglückt und von dort gerettet werden muß.

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