Fotografie und Tod

Der Tod ist zugegebener Maßen ein schwieriges und oft unangenehmes Thema. Obwohl alltäglicher Bestandteil unseres Lebens, ist er in Deutschland fast zum Tabuthema geworden. Menschen begegnen dem Thema Tod oft mit hoher Sensibilität und Emotionalität. So stellt sich die Frage, ob eine fotografische Begegnung mit dem Tod überhaupt angemessen ist.
Mit Trauer wird unterschiedlich umgegangen, dies zeigt sich bereits bei dem Erstellen von Trauerkarten oder Totenbriefen. Einige werden Freude dabei empfinden, in Gedanken an einen geliebten Menschen Trauerkarten selbst designen und verschicken zu können, andere werden in dem Fall eher abblocken und die Aufgabe jemand anderem übergeben.

Ob man sich also mit dem Thema Tod künstlerisch auseinandersetzen will, muss jeder für sich selbst entscheiden und besonders auch darauf gefasst sein, dass viele Menschen darauf mit Ablehnung reagieren können.

Trauer würdig gestalten | Foto: bernswaelz, pixabay.com, CC0 Creative Commons

Trauer würdig gestalten | Foto: bernswaelz, pixabay.com, CC0 Creative Commons

Verstorbene Menschen nach ihrem Tod noch zu fotografieren stößt im allgemeinen Leben eher auf Abneigung und wird sanktioniert, da dies als sehr intimer Eingriff gesehen wird. Dennoch war dies zu früheren Zeiten keineswegs eine Seltenheit. Besonders in den Anfängen der Fotografie, in der das Fotografieren ein sehr langwieriger Prozess war, konnten Verstorbene Personen sehr deutlich abgelichtet werden, da sie sich nicht bewegt haben. Sie wurden, meist in ihrer besten Kleidung, in Szene gesetzt und als Erinnerung für ihre Hinterbliebenen abgelichtet. Dies geschah meist in einem Fotostudio oder in einem Raum der Angehörigen. Selten wurden die Verstorbenen in Särgen fotografiert, sondern sie saßen auf einem Sessel oder Sofa, mit religiösen Gegenständen und Blumen um sich herum drapiert.

Beliebt waren aber auch ganze Familienfotos, bei denen die verstorbene Person unter den Lebenden meist nicht so schnell oder gar nicht auffiel. Kinder wurden meist auf dem Arm gehalten und wirkten als würden sie schlafen. Tatsächlich wirken diese Bilder, die vor allem aus dem 19. Jahrhundert stammen, sehr friedlich. Da Fotografie zu diesen Zeiten eine Seltenheit und eine teure Angelegenheit war, so waren die Fotos meist die einzige bildliche Erinnerung, die den Familienmitgliedern blieb und auch die einzige, auf der die ganze Familie zusammen verewigt war.

Auch wenn die Post-Mortem Fotografie bei einem Teil der Menschen auf Ablehnung oder auch Empörung stoßen kann, so waren und sind solche Aufnahmen für etliche Personen sehr hilfreich, um mit ihrer Trauer umzugehen. Denn Bilder können in dieser Situation helfen, den Tod in seiner Endlichkeit zu begreifen.

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