Selbstständiger Fotograf: Auf den richtigen Einstieg kommt es an

Beeindruckende Bilder sind heute schnell mit dem Smartphone erstellt. Das Internet hat enormen Bedarf an Fotos. Eine Goldgrube? Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Nachrichten über Preisverfall, Ausbeutung und Billigkonkurrenz unter Fotografen. Ein (Alb-)Traumberuf? Weder noch – wenn der Einstieg stimmt.

Fotograf mit Kamera | Skitterphoto, pixabay.com, CC0 Creative Commons

Fotograf mit Kamera | Skitterphoto, pixabay.com, CC0 Creative Commons

Erster Schritt: Erkenne Dich selbst

Fotograf ist nicht gleich Fotograf. Der Alltag eines Gartenfotografen unterscheidet sich fundamental von dem eines Bildjournalisten, der sich bei Filmpremieren zu den Stars durchboxt oder einem Hochzeitsfotografen. Wer Fotograf sein will, sollte wissen, wo die eigenen Stärken liegen, und ob man bereit für diese Herausforderung ist. Das heißt:

  • Wie groß ist die Begeisterung für das Fotografieren wirklich?
  • Was spricht dafür, dass man mit seinem Talent unter etlichen Mitbewerbern auffällt?
  • Ist man bereit, den Lebensmittelpunkt zu verlagern, weil es zum Beispiel am Wohnort schon zu viel Konkurrenz gibt?
  • Was sagt der Partner zu ungewohnten Arbeitszeiten? Fällt einem „Klinkenputzen“ (auch digitale Akquisition mit sozialen Netzwerken) leicht oder schwer?
  • Kann man über längere Strecken gut mit finanziellen Engpässen und Risikosituationen leben?

Verschiedene Wege in den Beruf: Gewerbe in Vollzeit oder (Teilzeit-)Freiberufler

Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte nicht alles auf eine Karte setzen. Viele Fotografen verdienen als Freiberufler auch noch mit anderen Tätigkeiten Geld. Fotograf sein kann gerade als Nebenberuf interessant sein. Für den fest entschlossenen Berufseinsteiger, der seine Fotografentätigkeit als Handwerk versteht, ist eine Gewerbeanmeldung verpflichtend. Im Zweifelsfall hilft der Steuerberater: Es kommt darauf an, welche Tätigkeiten man als Fotograf hauptsächlich ausüben möchte. Künstlerische Fotografie ist vor allem eine freiberufliche Tätigkeit, während Auftragsarbeiten bei Hochzeiten, in der Immobilienbranche usw. als handwerklich-gewerbliche Tätigkeiten gelten, insbesondere beim Betrieb eines Studios, siehe: fotorecht-bildrecht.de

Das sollte man zudem beachten:

  • gewerbliche Tätigkeit als Fotograf bedeutet Mitgliedschaft in einer Industrie- und Handelskammer.
  • bei einer künstlerischen Tätigkeit als Fotograf muss die Verpflichtung oder die Möglichkeit der Versicherung in der Künstlersozialkasse im Einzelfall geklärt werden, siehe: alltageinesfotoproduzenten.de
  • Bildjournalisten sind Freiberufler.
  • Sofern mit der Tätigkeit als Fotograf über 17500 Euro Umsatz im Jahr erzielt werden, ist die Tätigkeit umsatzsteuerpflichtig (darunter: „Wahlmöglichkeit Kleinunternehmer“). Anmeldung der Selbstständigkeit beim Finanzamt ist in jedem Falle erforderlich. Die Kosten für Buchführung und Steuererklärungen sollte man vorab klären.
  • Fotografen können Mitglied in der Verwertungsgesellschaft VG-Bild-Kunst werden und von Ausschüttungen profitieren.

Unternehmer werden

Angehenden Fotografen sollten kaufmännische und rechtliche Grundkenntnisse besitzen. Idealerweise beherrscht man selber die Buchführung. Immer wichtiger werden für Fotografen rechtliche Kenntnisse: Nicht nur Urheberrechtsverstöße können teuer werden. Die seit Juni 2018 in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung hat viele ungeklärte Konsequenzen, zum Beispiel für die „Streetfotografie“.

Daneben erfordern die eigene Webseite und der eigene Blog immer mehr rechtliche Kompetenzen, insbesondere für die Überprüfung allgemeiner Geschäftsbedingungen und der Datenschutzerklärung. Wer selber den Aufwand scheut, für den bieten jetzt die großen Plattformen wie Adobe Stock eigene Webseiten Portfolios für Stock-Fotografen an.

Der Fotograf sollte sich haftungsrechtlich absichern. Bei größeren Aufträgen, wo Mieten (für Studios) und Kosten für Subunternehmer (z. B. Visagist) anfallen, muss sicher gestellt sein, dass keine Insolvenzgefahr bei Zahlungsverzug besteht.

Der Einstieg

Für echte Berufseinsteiger empfiehlt sich die Ausbildung an einer einschlägigen Foto- oder Medienschule (Informationen dazu: berufsfotografen.com und yourfoto.de). Dabei geht es nicht nur um den Abschluss, sondern um Vernetzung in der Branche, die der Schlüsselfaktor zum Erfolg jedes Fotografen ist.

Wer sich als Quereinsteiger sicher fühlt, für den steht die Frage nach dem Equipment an. Dabei gilt: Der Mensch macht die Bilder, nicht die Kamera. Ein häufiger Fehler ist der Glaube, man könne sich durch eine Profiausrüstung automatisch zum Profi machen. Insbesondere große DSLR-Kameras erfordern einiges an Können. Das heißt: Schulungen einplanen und geduldiges Lernen aus Fehlern. Andersherum gilt: Smartphone-Kameras können beeindruckende Bilder machen, sind aber keine Profikameras. Minimalanforderung ist eine Kamera, die im RAW-Modus fotografieren kann und ein gutes Objektiv besitzt. Weitere Fehlerquelle: nicht an die Nachbearbeitung gedacht. Man braucht einen leistungsstarken PC (gute Grafikkarte), kalibrierten Monitor und professionelle Bildbearbeitungssoftware.

Geldverdienen

Einnahmen generiert der Fotograf aus Produkt und Dienstleistung. Das heißt, er bietet seine Bilder Agenturen und Kunden an (im Internet zum Beispiel: Shutterstock, Alamy und Adobe-Stock), oder er übernimmt als Dienstleister Aufträge. In bestimmten Fällen lohnt es, zum Einstieg nach verschiedenen Fördermöglichkeiten zu recherchieren (Beispiel: der Gründerzuschuss beim Arbeitsamt: arbeitsagentur.de oder für den Anfang ein Kredit für Selbstständige: vexcash.com ).

Worauf es ankommt

Fotograf sein heißt Künstler, Handwerker aber auch Unternehmer in einem zu sein. Die Selbstständigkeit setzt hohe Risikobereitschaft und Durchhaltevermögen voraus, deshalb sollte die Stärke der eigenen Begeisterung (berufs-)entscheidend sein.

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